Im Vergleich Gesetzliche und Private Krankenversicherung geht es stets um das Thema, welches System denn nun das bessere sei. Dass die Beantwortung dieser Frage nicht einfach ist, hängt mit der Komplexität zusammen. Deshalb hat sich der Experte Torsten Priesemann einem Interview mit einem Berufskollegen gestellt, um hier Interessierten eine breitere Entscheidungsgrundlage zu liefern.

Krankenversicherung im Vergleich: Gesetzliche versus Private

Hallo Torsten!

Die private Krankenversicherung wird in den Medien oft negativ dargestellt. Vor allem die Beitragssteigerungen und die Versicherungsprämien im Alter sind Hauptkritikpunkt. Die Steigerungen in der gesetzlichen Krankenkasse und die Doppelverbeitragung bei Betriebsrenten und Abfindungen werden da gern unterschlagen. Die PKV wird andererseits mit kürzeren Wartzeiten auf Facharzttermine in Zusammenhang gebracht, was oft eine Neiddebatte auslöst.

Im letzten Jahr gab es dann einen medialen Hype um eine Studie des Beratungsunternehmens PremiumCircle Deutschland zu den Mindeststandards in der PKV im Vergleich zur GKV. Häufig gelesener Tenor in den Zeitungen: „Die PKV schlechter als die GKV.“

Was ist dran an dieser Aussage und worin bestand der Anlass einen solchen Vergleich vorzunehmen?

Im Jahr 2018 veröffentlichte der PremiumCircle Deutschland im Auftrag der Bundestagsfraktion „Bündnis 90/ Die Grünen“ eine Studie. Es ging darum zu ermitteln, inwiefern die Tarife der private Krankenvollversicherung Leistungsinhalte der gesetzlichen Krankenversicherung erfüllen. Diese Mindeststandards sollen vertraglich garantierte Leistungsinhalte abbilden, die sonst u.a. im Sozialgesetzbuch und den Richtlinien des gemeinsamen Bundesausschuss geregelt sind.

Die meisten Journalisten, die dann über das Ergebnis der Studie schrieben, haben diese offenbar selbst gar nicht gelesen oder es mangelte am Sachverstand eine Bewertung vornehmen zu können. Die Grünen selbst haben in ihrer Zusammenfassung ein wesentlich abgewogeneres Fazit gezogen und veröffentlicht.

Wie wurde vorgegangen?

Aufgrund der Ungleichheit der Systeme ist ein direkter Vergleich sehr schwer umsetzbar. Also musste eine Methodik gefunden werden um Apfel mit Birne einigermaßen vergleichbar zu machen.

Es wurden 103 Mindestkriterien aufgestellt, davon 100, die die gesetzliche Krankenversicherung beinhaltet. Zusätzlich weitere 3, die nur Leistungsinhalt der privaten Krankenversicherung sind. Diese Kriterien wurden anschließend in 13 Leistungsbereiche unterteilt.

Diese sind:

  • Ärztliche Leistungen
  • Ambulante Behandlerwahl (wie freie Arztwahl, Wahl besonderer Versorgungseinrichtungen wie Medizinische Versorgungszentren oder Krankenhausambulanzen)
  • Arzneimittel und künstliche Ernährung
  • Heilmittel (etwa Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie)
  • Hilfsmittel (wie Sehhilfen, Dialysegeräte, Prothesen, Krankenfahr-stühle, Hörgeräte usw.
  • Psychotherapie
  • Stationäre Behandlung
  • Anschlussheilbehandlung (etwa Stationäre Reha, Kuren, Entwöhnungsbehandlungen, ambulante Kurbehandlung)
  • Häusliche Krankenpflege und Palliativversorgung (wie häusliche Krankenpflege, stationäre Kurzzeitpflege, Hospizversorgung, spezialisierte ambulante Palliativversorgung)
  • Transporte
  • Zahnleistungen (wie Zahnersatz, Kieferorthopädie, implantologische Leistungen)
  • Prävention (etwa Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Diabetikerschulungen)
  • Familienplanung (wie. Kinderwunschbehandlung, Sozialpädiatrie, Haushaltshilfen etc.)

Anschließend wurde der jeweils leistungsstärkste Tarif jeder privaten Krankenversicherung überprüft, ob und in welcher Form er diese Kriterien aufgrund der Vertragsbedingungen erfüllt.

Wie lautete das Ergebnis des Vergleichs Gesetzliche versus Private Krankenversicherung?

Der größte Teil der TOP-Tarife von 32 Versicherern erfüllt leider nicht diese Mindestkriterien. Bemerkenswert ist dabei die Spannweite von 32-99 Prozent Erfüllungsgrad additiv zusammengefasst. Es gab jedoch auch teilweise Übererfüllungen des Einzelkriteriums in 42 Prozent der untersuchten Tarife.

Auffallend häufig werden die Mindestkriterien in folgenden Bereichen nicht erfüllt:

  • Heilmittel z.B. Podologie-Leistungen und nichtärztliche Behandler
  • Hilfsmittel wie Gebärdendolmetscher
  • Ambulanter Psychotherapie (Sitzungsbegrenzung oder Soziotherapie)
  • Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation
  • Kuren
  • Häuslicher Krankenpflege
  • Familienplanung und
  • ambulanten Transportleistungen

Deutlich besser schneiden die Privaten in den Bereichen Auslandsschutz, ärztliche Honorare und zahnärztliche Behandlung/Zahnersatz ab.

Das ist ein ernüchterndes Ergebnis, vor allem wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Versicherten gar nicht in den leistungsstärksten Tarifen versichert ist. Viele sind in sogenannten Einsteigertarifen versichert, die noch weniger leisten.

Ist damit die Gestzliche besser als die Private?

Das kann man so pauschal gar nicht sagen. Schließlich ist der Leistungskatalog der GKV nicht vertraglich garantiert und jederzeit veränderbar. Außerdem gilt stets das Wirtschaftlichkeitsgebot. Leistungen sollen ausreichend und zweckmäßig sein. Das ist also Auslegungssache und kann für das Mitglied in der GKV im Bedarfsfall zu erheblichen Einschränkungen führen. Der medizinische Dienst der Krankenkassen, kurz MDK, entscheidet letztlich über die Versorgung. Und dieser wird von den Krankenkassen bezahlt. Wessen Interessen wird er dann verfolgen?

Aufgrund der geringeren Vergütung für Ärzte ergeben sich die längeren Wartzeiten. Die Rabattverträge zwischen ihnen und den Krankenkassen ist der Zugang zu Originalpräparaten bei Medikamenten erschwert. Der internationale Versicherungsschutz ist stark eingeschränkt. Bei Brille und Zahnersatz, das wissen die meisten auch ohne diese Studie, gibt es ebenfalls erhebliche Minderleistungen gegenüber der PKV.

Was würdest Du einem Interessenten raten?

Ob die GKV oder die PKV besser für jemanden geeignet ist, entscheidet immer der Einzelfall. Es gibt keine Pauschalaussage.

Wenn die PKV letztlich die bessere Alternative ist, dass sollte der Interessent sich mit einem Experten zusammensetzten. Die Mitglieder des PremiumCircle Maklernetzwerkes haben das nötige Fachwissen und sie können mithilfe der eigens entwickelten Premiumsoftware die Versicherungstarife auf ihre verbindlichen Leistungsaussagen hin untersuchen. Es gibt sie, die sehr guten Tarife, die letztlich einen Versicherungsschutz bieten, welcher in Summe besser als jede GKV ist. Und der ist ein Leben lang vertraglich garantiert.

Vielen Dank Torsten für das informative Gespräch.

 

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